Wir können nichts für unsere Gedanken!


Ja, ich weiß, immer und immer wieder, hören/lesen wir, dass die Sache mit unseren Gedanken ganz schön tricky ist. Wir verantwortlich dafür sind, was wir denken, wir definitiv viel zu viele Gedanken haben und gar selbst Schuld daran sind, wenn wir's auf Grund unsere Gedanken mal wieder vergeigen.

Und gerade im Kontext der Achtsamkeit und Meditation hält sich der Mythos, dass es besser wird, mit uns und unserem Leben und überhaupt, wenn wir weniger denken, und wenn wir schon denken müssen, dann aber bitte nur das Richtige. Was auch immer das heißt…😀

Aber ganz ehrlich, letztendlich können wir für das was in unserem Gehirn passiert, erst einmal gar nix.

Unser Gehirn ist dafür geschaffen zudenken. Es macht genau, was es soll.

Es werden die Reize, die unser Gehirn registriert, in einem Bereich des Gehirns, das limbische System, auf etwaige Bedrohlichkeit überprüft. Je nach Ergebnis der Überprüfung landet der Reiz in unterschiedlichen Arealen des Gehirns.

Liegt eine Bedrohung vor, wird der Reiz gar nicht erst logisch, kreativ verarbeitet, sondern landet blitzartig in unserer uralten Flucht, oder Kampfmodus, der sich besonders mit automatischen Gedanken und Verhaltensmuster auszeichnet, und geprägt ist von Verhalten und Sprachmustern, die wir hinterher oft bereuen und peinlich finden.

Wird der Reiz als nicht gefährlich eingestuft, haben wir die Möglichkeit auf unser logisches Denken, unsere zwischenmenschliche Kompetenz, unsern Intellekt, unser gesamtes Wissen zurückzugreifen, und sind so in der Lage angemessene auf das Geschehen, den Reiz zu reagieren. Aber auch dann, sind die Assoziationsketten, Annahmen und Schlüsse, die wir ziehen, situationsabhängig, stimmumgsabhängig und können jeden Tag anders sein.

Wie das meteorologische Wetter außerhalb unseres Einflusses liegt, haben wir auch auf unser Stimmungs- und Gedankenwetter erst einmal keinen Einfluss. Wir können aber uns entscheiden, ob wir uns von dem eigenen Wetter, die Stimmung verhageln lassen, oder ob wir uns passend gerüstet, sinnbildlich mit Regenjacke und Schal, darum bemühen trotz, Sturm und Kälte so gut es geht, dem Unwetter zu trotzen.

Wir können zwar nichts für unsere Gedanke und Gefühle, die entstehen, aber wir können entscheiden, ob wir uns von unseren Gedanken und Gefühlen beeinflussen lassen.

Es ist gut zu wissen, dass Gedanken kommen und gehen. Mal öfters, mal weniger oft. Mal meinen sie es gut mit uns, eher nicht.

Sie sind wie das Wetter, mal ziehen dicke Wolken auf, es schneit, es stürmt und wirkt bedrohlich, und manchmal scheint die Sonne, es weht ein laues Lüftchen, die Vögel zwitschern und nichts scheint diese wunderbare Stimmung zu trüben.

Seitdem ich für mich, diese Metapher entdeckt habe, bin ich viel gelassener und friedlich im Umgang mit dem, was mein Kopf so alles für Geschichten und Gefühle produziert. Ich lasse mich nicht mehr ganz so schnell beeindrucken, und gefangen nehmen und verliere auch wenn es mal brenzlig wird, nicht so schnell meine Zuversicht und gute Laune.

Für mich sind meine Gedanken meine Freunde. Sie sind für mich wie kleine, manchmal auch große Gewichte, mit denen ich in meinem Trainingslager Meditation mich übe, bewusster mit meinen Gedanken und Gefühlen umzugehen, damit es dann außerhalb des Meditationskissen auch klappt.

Es läuft wirklich nichts schief, wenn wir in der Meditation Gedanken haben. Das ist vollkommen normal. Es wird so lange Gedankenaktivität geben, bis wir sterben. Es geht nur darum, nicht an all den tollen und auch weniger tollen Gedanken kleben zu bleiben oder gar mit ihnen zu diskutieren.

So wie es auch vollkommen sinnfrei ist, mit dem Schneeregen zu diskutieren, auch wenn es doch schon längst Frühling ist.


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