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  • Eva

Eine Liebeserklärung an mich selbst


Minimalismus kann mich am A* ...

Und dennoch bin ich ein neuer Mensch, weil ich zwei Tüten Klamotten zum Secondhand-Shop gebracht habe. Oder wie die Generation Z sagen würde „Vintageshop“.

O.K. ich muss gestehen, dass das Einzige wohl was an meinen löchrigen H&M Shirts vintage ist, die gelben Deo-Reste unter den Achseln sind.


Wieso also bin ich jetzt ein neuer Mensch? Weil ich ein mal erwachsen war und buchstäblich kaputte Kleidung weg werfe und nicht horte wie ein Hamster? Weil ich einfach Platz schaffe für die neue "Saison"? Vermutlich hat all das zusammen mit diesem Gefühl zu tun. Aber wieso ausmisten tatsächlich so heilsam sein kann, zumindest für mich bedarf es ein wenig mehr Hintergrundgeschichte. Ich würde behaupten, dass ich mich für Mode begeistere, ich habe mich als Kind gerne verkleidet. ich wollte, wie sehr wahrscheinlich alle, in der Schule irgendwie dazugehören und habe meine Mama gezwungen nahezu jeden Trend zu finanzieren. Mit Kleidung kann man sich ausdrücken, schön fühlen, jemand anders sein oder mit dem Kauf von Neuem ein inneres Loch stopfen. Ob das jetzt funktioniert ist eine andere Frage, aber zumindest war ich ein großer Fan von ausgedehnten Shoppingtrips. Mein Körper hat begonnen sich zu verändern. Mit der Zeit hatte ich von Kleidergröße XS bis XL alles, aber wirklich alles, im Kleiderschrank. Und meine weise Mama hat mir immer gesagt, dass ich all diese Klamotten auch behalten soll für „dicke oder dünne Tage“.

Und glaub mir diese dicken und dünnen Tage kamen. Hast du schon mal im Kopf ein Outfit geplant und die Umsetzung war bestenfalls eine vier minus? Der Stress und die Tränen nicht mehr in die Hose zu passen, die doch eigentlich für „dicke Tage“ bestimmt war, haben mir Schmerzen bereitet die mir damals nichtmal meine Blinddarm-OP bescheren konnte. Ich habe in Umkleidekabinen geweint! Ich habe geweint, mit meinem niedrigsten Gewicht und mit meinem höchsten Gewicht. Heute weiß ich, dieses magische Talent von "Fastfashion" Ketten, einen mit diesem zauberhaften Licht aussehen zu lassen wie eine vergammelte Lyoner in der Fleischtheke, hat viel zu diesen Gruselerlebnissen in einer Umkleide dazu beigetragen. Die Kühnheit der Designer, dass eine Kleidergröße 42 bei meinen Läden eher einer 36 gleicht. Irgendwann habe ich dann vermutet, dass das Unglücklichsein vielleicht auch mit anderen Dingen als meinem Aussehen zu tun haben könnte. Ich habe mir einen, wirklich genau einen Rucksack gepackt und bin vor 1,5 Jahren mit einem Oneway Ticket los gezogen.

Los gezogen um mich zu finden, mein Glück, die große Liebe, das Zuhause. Kleiner Spoiler...gefunden hab ich 'n Scheißdreck - Aber gelernt hab ich viel. Ich bin also mit einem Rucksack los, und habe festgestellt, dass das Leben, mein Leben, wunderbar sein kann, auch wenn man zwei Wochen hintereinander die selben Shorts trägt. Dass der Typ in der Bar am nächsten Abend nicht merkt, dass ich das Kleid nochmal anhabe und dass man Bikinihosen wahlweise auch als Unterhosen tragen kann.


Seit einem Jahr lebe ich in Australien und habe mir natürlich wieder das ein oder andere zusammen gekauft… Für Partys, Dates, Winter, Sommer, dicke und dünne Tage. Und genau das war der Moment in dem ich realisiert habe, dass ich vielleicht doch ein bisschen etwas auf meiner Reise gefunden habe. Ich wollte meinen Rucksack für eine weitere Tour packen und musste festgestellt, dass nicht mehr alles in diesen Rucksack passt. Dass mein Körper sich unzählige Male verändert hat, und dass für mich viel Auswahl gleichgestellt ist mit Verantwortung, Stress und Zeitverschwendung. Also wurde ich radikal. Ich hab alles was ich in den nächsten Wochen nicht tragen würde weggegeben. Alles was mir jetzt in diesem Moment nicht passt, oder mich schön fühlen lässt oder unpraktisch ist, kam weg. Mit großer Sicherheit habe ich immer noch mehr als ich jemals benötigen werde, aber ich denke mir beim anziehen nicht: „Oh scheiße in diesen Rock will ich wieder reinpassen“.

Zu sagen: „Das will ich auch gar nicht“ wäre nicht ehrlich, aber mir selbst wirklich authentisch sagen zu können „Das muss ich auch gar nicht...“ ist die Liebeserklärung an mich selbst, die so, so lange überfällig war.

„Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung.“ ...den Spruch kennen wir alle. Sollte ergänzt werden durch „Es gibt keine dicken oder dünnen Tage, es gibt nur falsche Kleidung. Oder wie ein bekannter deutscher Designer sagen würde „Das Kleid tut nichts für dich“. Im Endeffekt muss Kleidung genau das machen.

Etwas für uns tun, nicht andersherum.

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